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AM
ANFANG STEHT DIE KLINISCHE BEOBACHTUNG
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Guy
Postiaux,
der Vater dieser Methode,
ist ausgebildeter Physiotherapeut. Er interessierte sich
schon sehr früh für die klinische Praxis, und zwar besonders für
die Lungenauskultation. Diese
bildete den Gegenstand seiner ersten wissenschaftlichen Arbeiten
bei der ILSA (International
Lung Sounds Association) und der
von der CEE unterstützten Gruppe CORSA (Computerized
Respiratory Sounds Analysis) (BIOMED
1 Concerted Action Project der Europäischen
Gemeinschaften).
Ausgehend
von zahlreichen klinischen stethoskopischen Untersuchungen und
Experimenten, die in der Abteilung Innere Medizin und im Laboratoire
d'Acoustique Appliquée
du Groupe d'Etude
Pluridisciplinaire Stéhacoustique
der CHNDRF - Clinique
Reine Fabiola in 6061 Charleroi (Belgien) und in Zusammenarbeit
mit Dr. Emile Lens durchgeführt
wurden, stellte Guy Postiaux die
herkömmlichen Techniken der Physiotherapeutischen
Atemtherapie in Frage, insbesondere die Lagerungsdrainage
und das Clapping (Conventional
Chest Physiotherapy-cCPT),
und zeigte, dass sie überflüssig und wenig wirksam sind. Seine
Forschungsarbeit führte ihn dann zu einem neuen Ansatz der
Physiotherapie der bronchopulmonalen
Obstruktion beim Erwachsenen, beim Kind und beim Säugling.
Dafür schuf er mit einem persönlichen Konzept die ersten
wissenschaftlichen Grundlagen.
Diese
neue Methode – die nCPT – ist validiert
und bildet den Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen
und Mitteilungen in wissenschaftlichen Zeitschriften sowie auf
internationalen medizinischen und physiotherapeutischen
Tagungen. Sie kann in Privatpraxen und in Kliniken eingesetzt
werden und liefert direkte, reale und beobachtbare Ergebnisse.
Seit mehr als 15 Jahren gibt es für diese Methode Kurse,
die dem Physiotherapeuten genau das Rüstzeug bieten,
das er für die Durchführung einer wirksamen und zuverlässigen
Therapie unter Berücksichtigung des Kostenaspektes und der
Anforderungen der Evidence
Based Medicine
benötigt.
In
der Physiotherapeutischen Atemtherapie werden –
vor allem aus historischen Gründen – unterschiedliche Praktiken eingesetzt.
Einige Tendenzen verstärken sich, andere zeichnen sich erst ab. In den angelsächsischen
Ländern wird einer konventionelleren Physiotherapie der Vorzug
gegeben, bei der Techniken wie das beschleunigte (schnelle) Ausatmen, die
Lagerungsdrainage und das Clapping im Vordergrund
stehen. Diese Techniken werden modifiziert und ergänzt, wobei dieser
Anpassungsvorgang das wesentliche Element für die Wirksamkeit der Behandlung
darstellt, wie es beispielsweise bei der PEP-Atmung
mit positivem expiratorischem Druck der Fall ist. Im
romanischen Europa, in den skandinavischen Ländern und in Südamerika
besteht die Tendenz, sich von diesen Methoden zu distanzieren und neuen
Techniken wie dem langsamen Ein- und Ausatmen den Vorzug zu geben. Für
diese Methoden ist eine wachsende Anhängerschaft zu verzeichnen, da sie eine
bessere Wirkung in den distalen Luftwegen erzielen
und deutlich besser vertragen werden. Wir haben die konventionellen Techniken
mit ihren Einschränkungen und Kontraindikationen sehr kritisch beleuchtet.
Besonders bedenklich erschien uns die Übertragung dieser konventionellen
Techniken, besonders der Lagerungsdrainage, auf den Säugling. Die physiotherapeutischen
Techniken zur Befreiung der Atemwege beim Kleinkind werden folgerichtig in den
angelsächsischen Ländern als unwirksam, zwecklos und sogar gefährlich
betrachtet. Die Gründe für diese abweichenden Sichtweisen sind im wesentlichen
in der historischen Entwicklung und im methodischen Bereich zu suchen.

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EINIGE
WICHTIGE MEILENSTEINE
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Die
Entwicklung der Physiotherapeutischen Atemtherapie
war in den letzten Jahren durch mehrere wichtige Ereignisse gekennzeichnet.
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Das
erste dieser Ereignisse war zweifellos die 1. Conférence
de Consensus sur la Toilette Bronchique
(Lyon, Dez. 1994), bei der die herkömmlichen Techniken stark
relativiert und die Techniken mit langsamer Ausatmung anerkannt wurden.
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Bei
dem zweiten Ereignis handelte es sich um die Abhaltung der Conférence
de Consensus sur la Prise en Charge de la Bronchiolite
du Nourrisson (Paris, Sept. 2000-ANAES),
wo der große Stellenwert der Physiotherapeutischen
Atemtherapie bestätigt wurde. Die Physiotherapeutische
Atemtherapie des Säuglings wurde damit wissenschaftlich anerkannt.
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Das
dritte Ereignis waren die Journées
Internationales de Kinésithérapie Respiratoire
Instrumentale-JIKRI
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CONFERENCE
DE
CONSENSUS
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PRISE
EN
CHARGE
DE LA
BRONCHIOLITE
DU
NOURRISSON |
Mit
diesen drei Konsensus-Konferenzen und den daraus resultierenden
Empfehlungen konnte der "Stand der Wissenschaft" für
die Physiotherapeutische
Atemtherapie der bronchopulmonalen
Obstruktion etabliert werden.
Seit
zwei Jahren reserviert die Société
de Pneumologie de Langue Française-SPLF
einen Teil ihres Tagungsprogramms für eine neue Form der
Physiotherapie mit der Bezeichnung "Inspiratorische
Physiotherapie", wo die methodologischen Grundlagen der
Physiotherapie von akuten Lungenerkrankungen behandelt werden.
Damit eröffnet sich ein weites Untersuchungsgebiet, welches,
ohne Vorhersagen über künftige Ergebnisse machen zu wollen,
ein interessantes Forschungsthema zu werden verspricht.
Die
ersten Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Physiotherapeutischen
Atemtherapie stammten von englischsprachigen Wissenschaftlern.
Bei den untersuchten Populationen handelte es sich um Patienten,
die an chronisch-obstruktiven Erkrankungen der Lunge und der
Bronchien litten, sowie hauptsächlich um Mukoviszidose-Patienten.
Die untersuchte Patientengruppe bildet jedoch nur eine
Minderheit der obstruktiven Erkrankungen, die zweifellos sehr
schwer sind und für die die Atemtherapie einen wichtigen Überlebensfaktor
darstellt. Andererseits wurden fast alle Studien, auf die sich
diese Publikationen stützen, in Forschungszentren durchgeführt,
die an Kliniken mit hospitalisierten
Kindern angeschlossen waren. Es erscheint daher nicht
gerechtfertigt, die Ergebnisse allein auf die genannten
Pathologien zu beschränken.
Denn
es erhebt sich die Frage, wie mit den anderen kleinen Patienten
zu verfahren ist, die nicht in diese Kategorie fallen, aber sehr
zahlreich sind: Denken wir nur an Bronchiolitis,
Bronchitis, Asthma bei sehr kleinen Kindern, an
Obstruktionen der extrathorakalen
Atemwege, von denen gelegentlich jedes Kind betroffen ist sowie
an Hypersekretionszustände der Bronchien von unterschiedlicher
Ätiologie. Alle diese Erkrankungen führen aufgrund der
Wirksamkeit häuslicher (u.a. physiotherapeutischer)
Behandlung immer seltener zur Hospitalisation.
Dies ist für die kleinen Patienten natürlich ein großer
Gewinn, wie auch für die privaten und öffentlichen
Gesundheitsbudgets.
Diese
Kinder werden jedoch in den Studien nicht berücksichtigt,
obgleich bekannt ist, dass akute Bronchien- und
Lungenerkrankungen im Kleinkindalter den Atemwegsschwächen des
Heranwachsenden und Erwachsenen den Weg bereiten. Glücklicherweise
ist die Atemtherapie im französischsprachigen Europa zu einem
festen Bestandteil, wenn nicht sogar zum wesentlichen Element,
der medizinischen Behandlung der Säuglingsbronchiolitis
geworden.
Auf
der Grundlage der jüngsten Studien können die praktischen Aspekte und
Indikationen gewisser Techniken genauer definiert werden; es gibt jedoch noch
keine Methode, die den "goldenen Standard", d.h. die ideale Behandlung
der Bronchialobstruktion darstellt. Aufgrund der Variabilität der Erkrankungen
muss jeder Fall individuell untersucht und die Behandlung entsprechend angepasst
werden. Dies ist die Grundlage für die spezifische physiotherapeutische
Untersuchung, die von Guy Postiaux ins Leben
gerufen wurde und von ihm gelehrt wird. Jenseits der Studien bleibt der
klinische Sachverstand des Therapeuten sehr wichtig. Wie die Medizin ist die
Physiotherapie eine Wissenschaft, die mit Kreativität anzuwenden ist.
Auf
der Conférence de Consensus sur
le Bronchiolite du Nourrisson
(Paris, Sept. 2000) wurde die Notwendigkeit einer ständigen
spezialisierten Weiterbildung für Physiotherapeuten
herausgestellt. Die Physiotherapeutische
Atemtherapie beim Kleinkind ist keine harmlose Angelegenheit und
muss Therapeuten vorbehalten bleiben, die in den entsprechenden
Techniken und klinischen Überwachungsmethoden ordnungsgemäß
ausgebildet sind, insbesondere in
der
Lungenauskultation.
Da
verschiedenartige Obstruktionen der Atemwege und Hyperinflation
die am meisten verbreiteten Folgeerscheinungen pädiatrischer
Atemwegsinfektionen sind, stellen pfeifende Atemgeräusche
die häufigste und früheste Manifestation der Obstruktion dar,
ob das Kind asthmatisch ist oder nicht. Daher bietet die Überwachung
auf hinzukommende Atemgeräusche eine unmittelbare
Kontrolle, ob sich der Einsatz einer bestimmten Technik positiv
oder negativ auswirkt. Klinischer Sachverstand und eine sorgfältige
Auskultation bilden die
unverzichtbare Grundlage für die Ausarbeitung eines logischen
und potenziell wirksamen Therapieplanes, zumal die große
Mehrheit der Behandlungen in städtischer Umgebung stattfindet,
wo die ethische Verantwortung und die physiotherapeutische
Technik eine große Rolle spielen.
Falls
Sie weitere Informationen wünschen, stehen wir Ihnen gern
zur Verfügung.
Kontakt:
postiaux.guy@chndrf.be
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